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Bibliotheksgeschichte

Am 11.10.1985 um 10.30 Uhr wurde die Gemeindebibliothek Grafenrheinfeld im Rahmen der Festlichkeiten der Kirchweih offiziell eröffnet und kirchlich gesegnet. Beim Festakt hielt Frau Dr. Mathilde Berghofer-Weichner, damals Staatssekretärin im Bayerischen Kultusministerium, die Eröffnungsrede.
Der damalige Bürgermeister und heutige Ehrenbürger der Gemeinde Grafenrheinfeld Robert Gießübel hatte in Zusammenarbeit mit dem Architekturbüro des Diplom Ingenieurs Helmut Greber aus Schweinfurt und mit Unterstützung der Staatliche Beratungsstelle für Büchereiwesen in Würzburg sowie des Landratsamt für Denkmalpflege das Projekt einer Gemeindebibliothek in gut zweijähriger Planung verwirklicht. Der Gesamtaufwand für die Gemeinde Grafenrheinfeld betrug 2, 1 Mio. DM.
Das neu erbaute Gebäude am Kirchplatz 1a hat eine Gesamtfläche von 662 qm, wovon auf die reine Bibliotheksnutzung 500 qm entfallen.
Von Außen wurde die Gebäudeansicht durch den fränkischen Baustil und die Verwendung von alten Materialien wie Sandstein in die historische Ansicht des Kirchplatzes eingepasst, sodass sich die Bibliothek optisch perfekt in das Gebäudeensemble am Kirchplatz einfügt.

Im Inneren wurden die Räumlichkeiten hingegen mit für damalige Verhältnisse hochmodernen technischen Geräten ausgestattet: So war die Gemeindebibliothek Grafenrheinfeld 1985 die erste Bibliothek der BRD, die mit einer Phonothek für die Kinderbuchabteilung ausgestattet war. Hier konnten Audiokassetten und Schallplatten vom Thekenbereich aus abgespielt werden, die in der Kinderbuchabteilung mittels Kopfhörern von den Nutzern gehört werden konnten. Auch für den erwachsenen Bereich verfügte die Bücherei über eine Phonothek sowie über einen Videoraum, in dem Videofilme abgespielt werden konnten. Zudem wurde die gesamte Bücherei von einen modernen Kameraanlage aus überwacht.
Auch eine bis dato hochmoderne Fotoverbuchung war bei der Erstausstattung der Bibliothek bereits vorhanden.
Die Raumaufteilung wurde winkelförmig gestaltet, sodass die Kinderbuchabteilung von den restlichen Bereichen der Bücherei getrennt ist und die Erwachsenenabteilung auch tatsächlich als Ruhebereich genutzt werden kann. Diese ist mit der Galerie, die an den Aufbau mittelalterlicher Bibliotheken erinnert, hell offen und großzügig gestaltet.
Der Innenhof wurde zu einem kleinen Garten mit Pergola angelegt, so dass das Schmökern in Zeitungen, Magazinen und Büchern bei schönem Wetter auch im Freien möglich wurde. Der Mehrzweckraum im Keller, der „Bürgersaal“ bot und bietet auch heute noch, allen Vereinen und Gruppen der Gemeinde nach Absprache mit der Bibliotheksverwaltung Platz für allerlei Veranstaltungen.

Die Bibliotheksleiterin Sabine Friedrich (heute Lutz), ausgebildete Bibliotheksassistentin, wurde durch Natascha Wegner und Ulrike Then unterstützt. Zu Beginn verfügte die Bücherei über 8.000 Medieneinheiten.
Bereits in den ersten beiden Tagen nach der Eröffnung konnte die Gemeindebibliothek Grafenrheinfeld 438 neue Leser registrieren, die über 800 Medien entliehen hatten. Nach vier Wochen waren es bereits 631 aktive Leser, die 2340 Entleihungen getätigt hatten. Im Dezember 1985, also nur 3 Monate nach der Eröffnung waren bereits 810 neue Leserausweise ausgestellt und 9.342 Medieneinheiten durch einen Stempel mit dem Rückgabedatum versehen und somit entliehen. Der ausleihstärkste Tag in diesem Jahr lag bei 159 Entleihungen! Schon sieben Monate nach der Eröffnung wurde der 1.000ster Leser registriert.
Im Laufe der Jahre nahmen die Entleihungen mit wenigen Ausnahmen ständig zu, so dass heute jährlich rund 130.000 Entleihungen zu verzeichnen sind. Jährlich nutzen rund 1.200 Benutzerinnen und Benutzer die Bibliothek.
Zu dieser rasanten Entwicklung der Bibliothek, die im Jahr 1997 zum ersten Mal die Bibliothek in Deutschland war, die in Gemeinden bis 10.000 Einwohner die meisten Entleihungen pro Leser verzeichnen konnte, trugen eine publikumswirksame Öffentlichkeitsarbeit und jährlich mehrere Veranstaltungen bei.

Ein sicher nicht unerheblicher Beitrag zur Öffentlichwirksamkeit ist der Kartenvorverkauf für Veranstaltungen der örtlichen Vereine jeglicher Art von Fasching bis zu Konzerten, der fast seit Anfang der Bibliothek immer wieder Personen dazu „zwang“ in die Bibliothek zu kommen, die sonst vielleicht nie einen Fuß hineingesetzt hätten. Seit Bestehen der Kulturhalle im Jahr 2006 wird auch ein Großteil des Kartenvorverkaufs für die vielfältigen Veranstaltungen in dieser gemeindlichen Einrichtung in der Bibliothek abgewickelt.
Autorenlesungen, Kindertheater, Puppenspiel, Märchenstunden, Malaktionen, Bibliotheksübernachtungen, Konzerte, Quiz und Ausstellungen rückten die Bibliothek immer wieder in den Fokus des Interesses der Bevölkerung und machten sie im Laufe der Jahre über die Grenzen des Landkreises bekannt und beliebt. Auch das gemeindliche Ferienprogramm wird seit 1987 von den Mitarbeiterinnen der Bibliothek koordiniert und erarbeitet. Der jährlich an der Kirchweih stattfindende Tag der offenen Tür ist ein Magnet für viele Besucher der Kirchweih und des Erntedankfestzuges.
Die in vielen Augen außergewöhnlichen Öffnungszeiten für eine öffentliche Einrichtung sind sicher ein Geheimnis des Erfolges. So hat die Bibliothek von Anfang an mittwochs bis 21.00 Uhr geöffnet und auch samstags steht sie ihren Nutzern für zwei Stunden offen. Anfänglich war der Besucherandrang am Samstag nicht sehr groß, so dass man bereits überlegte, die Bibliothek an diesem Tag zu schließen. Wenn man aber heute sieht, welch ein Trubel samstags in zwei Stunden herrscht, war es gut, dass man diese anfängliche „Saure-Gurken-Zeit“ überstanden hat!
Die Mitarbeiterinnen der Bibliothek hatten aber auch Außergewöhnliches zu bewältigen: Als im November 1989 die innerdeutsche Grenze fiel, wurde die Bibliothek kurzzeitig an den Samstagen Anlaufstelle für die damaligen DDR-Bürger, die sich hier das Begrüßungsgeld bei ihrem ersten Aufenthalt in der BRD auszahlen lassen konnten.

Seit Beginn wurde und wird viel Wert gelegt auf die Zusammenarbeit mit der Schule. So kommen jährlich die Erstklässler zu einer Führung in die Bibliothek, bei der die Kinder dann ihren ersten eigenen Bibliotheksausweis erhalten. Für viele Kinder ein wichtiger Schritt in die Selbständigkeit und auf dem Weg zum Erwachsenwerden! Es ist immer wieder schön zu sehen, wie stolz die Kleinen dann  sind!
Aber auch alle anderen Klassen finden immer wieder ihren Weg in die Bibliothek, um sich zu informieren oder um zu stöbern. Seit Mitte der 1990er Jahre bietet die Bibliothek den einzelnen Klassen Medienkisten an, entweder bunt gemixt oder auch zu einem bestimmten Thema.
Die Zusammenarbeit mit den Kindergärten funktioniert seit Anfang an bestens und so wurde selbst bei den Kleinsten die Scheu vor der „Bildungseinrichtung“ gar nicht erst aufgebaut, erleben sie die Bibliothek doch immer als einen freundlichen Ort mit großem Spaßfaktor!

Die Bibliothek war von Beginn an nicht nur einfach eine Büchersammlung, statt dessen gab es Schallplatten und Cassetten, die im Laufe der Jahre durch CDs ersetzt wurden. Als die ersten CD ROMs erschienen, war es für die Bibliotheksleitung keine Frage, mit diesem Medium den Bestand zu erweitern, allerdings wurden Videos nicht in den Bestand aufgenommen. Als das Zeitalter der DVDs anbrach, gab es aber auch hier kein Zurück mehr und sicher werden bald BlueRays das Angebot erweitern.
Eine große Auswahl an Zeitschriften, die Auskunft zu fast allen Lebensfragen geben, wurde über die vergangenen 25 Jahre beständig erweitert, so dass die Bibliothek in der Zwischenzeit über …. Zeitschriftenabonnements verfügt.
Ein Blitzschlag während eines Gewitters im Frühsommer 1992, der den Dachstuhl der Pizzeria in Brand setzte, richtete durch Überspannung auch einen erheblichen Schaden in der Bibliothek an, so dass die ganze Phonothek erneuert werden musste.
Nachdem die Fotoverbuchung im Lauf der Jahre ihren Dienst immer mehr verweigerte, wurde im Jahr 1994 die Verbuchung per EDV eingeführt. Im Laufe des Jahres 1993 und in den ersten Monaten von 1994 wurde der gesamte Bestand der Bibliothek per EDV von den Mitarbeiterinnen und einer Kollegin aus dem Rathaus erfasst. Es war sehr viel Arbeit jedes einzelne Medium zu erfassen – zusätzlich zu den normalen Arbeiten, lediglich am Donnerstag Vormittag war während dieser Zeit die Bibliothek geschlossen, aber ab März 1994 konnte dann die Verbuchung beginnen.
Seit dem Jahr 2000 verfügt die Bibliothek über eine eigene Internetseite, die 2009 nochmals überarbeitet wurde. Im Jahr 2001 hielt dann das öffentliche Internet Einzug in die Bibliothek. Mit Unterstützung durch die Förderung von „Schulen ans Netz“ fiel es dem Gemeinderat leicht der Beschaffung von zwei Internet-Terminals zur öffentlichen Nutzung in der Bibliothek zuzustimmen. Diese wurde von Bürgermeister Robert Gießübel kurz vor Amtsende in Betrieb genommen.
Auf Anregung des damaligen Bürgermeisters Robert Gießübel wurden von der Bibliothek im Jahr 2002 zum ersten Mal die „Rafelder Kulturtage“ durchgeführt. Das in der Zwischenzeit etablierte Programm wurde und wird von der Bibliotheksleitung erstellt. Ungewöhnliche Aufführungsorte wie der Eiskeller unter dem Museum oder auch der Bibliotheksgarten locken jährlich die Besucher zu heiteren, gruseligen, nachdenklichen, aber auf jeden Fall unterhaltsamen Aufführungen verschiedenster Künstler.
Überhaupt hatten Bürgermeister und Gemeinderäte in den letzten 25 Jahren immer ein offenes Ohr für die Wünsche und Anregungen der Bibliotheksleitung und vieles wurde so zustande gebracht. Nur wenige Wünsche wurden nicht erfüllt, aber das waren auch immer eher Nebensächlichkeiten, die den Betrieb und die Entwicklung der Bibliothek in keiner Weise hemmten. Ohne diese immer weitsichtigen Entscheidungen des Gemeinderates wäre die Bibliothek heute nicht das, was sie ist.
Im Jahr 2008 wechselte Bibliotheksleiterin Sabine Lutz dann ins Rathaus, auch dort leitet sie als Bürgermeisterin die Einrichtung! Als Ersatz für Frau Lutz kam im Juli 2008 Anna Scharf als neue Bibliotheksleiterin nach Grafenrheinfeld.